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Hikikomori bezeichnet ein soziologische Phänomen bei welchem sich Betroffene in ihr Zimmer einschliessen um es bis auf Jahre nicht wieder zu verlassen. Der Name deutet darauf hin: Hikikomori ist in Japan eine anerkannte Zivilisationskrankheit. Die Zahl der Betroffenen wird dabei auf eine Million geschätzt, was bei einer Bevölkerungszahl von ca. 150 Millionen ein beachtlicher Anteil ausmacht. Auch in Europa sind Fälle dokumentiert zum Beispiel der einer Frau die sich selbst für 40 Jahre "inhaftierte".
"The Hikikomori Suites" zeigt unsere Gesellschaft als Innenraum, als Flur an welchen acht geschlossene Türen grenzen. Dahinter leben Hikikomoris welche nicht nur den öffentliche Raum sondern bereits die eigene Familie als bedrohende Aussenwelt wahrnehmen. Die Türen lassen nur selten öffnen, meist bleibt der Blick ins Zimmer uns verwehrt und nur den geduldigen gelingt der visuelle Kontakt mit einem der Hikikomoris und auch dies nur für kurze Zeit. Zu sehen ist ein Wechselspiel von bedroht werden und bedroht sein. Eine Transformation der Aussenwelt in die Innenwelt und wieder zurück. In den "Hikikomori Suites" leben hauptsächlich Frauen, in Japan betrifft das Phänomen Hikikomori grösstenteils Männer. Dies als Form des Ausgleichs, als Sinnbild für unsere Gesellschaft die stets am Mittelwert bedacht, kaum grössere Abweichungen von diesem zulässt.
Die Installation "The Hikikomori Suites" spielt auf mehreren Ebenen mit der Zeit. Die kleinste Einheit davon ist akustisch als Herzschlag umgesetzt. Jeder einzelne davon erinnert uns an die Existenz der "Missing Million". Mit steigender Zahl der Versuche von der gesellschaftlichen Innenwelt in die Aussenwelt der Hikikomoris vorzustossen werden die Herzgeräusche pathologischer. Dies vom Normalton über den einfach, zweifach, gespaltenen Herzton bis hin zum Pansystolikum1. Eine weitere Ebene der Zeit sind die Übergänge von Tag zu Nacht und von Nacht zu Tag. Dies als natürlichen Rhythmus der Normalgesellschaft der oft antizyklisch mit dem Rhythmus der Hikikomoris verläuft, welche sich in der Stille der Nacht für kurze Zeit an den Kühlschrank oder auf die Toilette wagen. In diesem Übergang also entsteht eine gewisse Entspannung was sich auf die Möglichkeit eine Türe zu öffnen positiv auswirkt.